Braucht man das noch, oder kann das weg?

Ich überlege schon die ganze Zeit, ob ich es nicht doch schaffe, diese Datenkrake namens Facebook abzuschaffen. Gründe die dafür sprechen gibt es so einige.

# Der Zeitaufwand
„Nur mal schnell bei Facebook reinschauen“ sage ich mir oft, meistens mehrmals am Tag. Und dann hänge ich plötzlich wieder 10, 15 min am Handy oder Laptop nur um durchzuscrollen, wer wie was geliket hat. Dabei verpasse ich ein Gespräch, einige Filmausschnitte oder was auch immer ich gerade nebenbei tue, denn Multitasking hin oder her, der Blick hängt dann doch wieder nur im Facebook. Und so habe ich wieder einige Zeit unnütz vertrödelt, obwohl ich sie doch sicherlich viel besser hätte nutzen können.

# Aufmerksamkeits-Defizit
Ich musste mir selbst eingestehen, dass ich gewisse Dinge nur teile, um von der einen oder anderen Person Aufmerksamkeit zu erlangen. Doch statt den Arsch in der Hose zu haben, diese Menschen selbst anzuschreiben, egal ob nur mit einem „Wie geht’s?“ oder einem direkten „Ich brauche dich …“, teile ich eben Dinge, die meinen jeweiligen Zustand vermitteln und andere dazu anregen sollen, sich zu melden oder auch nur über mich nachzudenken. Und besonders das schreiben von Status im alkoholisierten Zustand ist so eine Sache für sich.

# die privaten Nachrichten
Wie ihr ja wisst, habe ich so schon ein Problem damit, Nachrichten zu beantworten. Meine Psyche fährt nach wie vor Achterbahn, sei es nur wegen einer noch so kleinen Nachricht. Und immer wenn es gerade wieder schlimm ist, sammeln sich die Nachrichten auch noch. Und wenn ich keine Zeit habe. Und wenn ich weiß, jemand wartet schon lange auf meine Antwort, fährt meine Psyche nur noch mehr hoch. Was soweit geht, dass ich mich wortwörtlich unter einer Decke verkrieche und Angst davor habe.
Und gerade bei Facebook bekomme ich fast täglich Nachrichten. 64 unbeantwortete sammeln sich gerade wieder in meinem Postfach.

– 7 bei Whatsapp
– 16 bei Instagram

Und von diesen lustigen Flirtportalen auf denen ich mich in einer Phase angemeldet habe, will ich gar nicht anfangen.

# Er
Außerdem, und das ist für mich der größte Punkt, gibt es da jemanden, den ich zu vergessen versuche. Ich will nicht sehen was er liket, wo er ist, was er tut, wann er online ist. Aber ich schaffe es auch nicht, ihn zu blockieren. Ich war ja sowieso immer gegen sowas. Ich mein, wenn man sich im wahren Leben über den Weg läuft, gibt es auch keine Blockierfunktion. Man kann nicht einfach mal eben jemanden komplett ausblenden.

_______________

Im Prinzip geht es mir total wie Kate aus der Serie About:Kate. (Kennt ihr nicht?)

Ich würde am liebsten alles löschen.

Meine Fotos, die ich ja so gerne mache, weil sie mich mit Freunden zeigen – nützen mir ja doch nichts, wenn ich allein bin.

Meine ganzen Status – wen interessiert schon wirklich, was ich denke?

Meine gefällt mir Angaben – Ganz ehrlich, braucht doch kein Mensch. Außer bestenfalls ein Stalker.

Warum mache ich es dann nicht einfach?
Ein Klick – und ich bin weg. So einfach ist das.

Oder eben doch wieder nicht. Ich kanns nicht. Ich schaffe es nicht mich von diesem sozialen Medium loszureißen.
Sei es, aus Angst was zu verpassen… oder weil ich dort die Möglichkeit habe, wirklich zu allen Menschen die ich irgendwie kenne Kontakt aufzunehmen. Alte Schulkameraden, die man sonst nie irgendwo sieht. Freunde die weit entfernt wohnen.
Außerdem habe ich etwas bei Facebook, was mir doch sehr wichtig ist:
Meine Modelseite. Mit der Löschung meines Profils wäre auch die Seite weg. Und das könnte ich mir nicht vorstellen. Es ist nach wie vor mein einziges richtiges Hobby in dem ich mich ausleben kann. Und mittlerweile finde ich ja auch fast alle Fotografenkontakte nur noch über Facebook.

Aber warum muss es auch gleich die Reißleine sein?
Ich hatte dann überlegt, einfach nur meine privaten Daten rauszulöschen, auszumerzen und eben nur das rohe Profil zu behalten. Doch nicht mal das kann ich. Ich schaute beim löschen der Fotos doch wieder durch und brachte es bei einigen nicht übers Herz, diese auszulöschen. Diese Erinnerungen zu vernichten. Auch wenn es nur bei Facebook wäre.

Hat mich ganz schön erwischt.

Trotzdem. Mein Vorsatz fürs nächste Jahr, was ich teilweise auch jetzt schon einhalte:
– keine Status mehr
– keine geteilten Sprüche, seien sie mega lustig oder passen doch so 100 % gut auf mich
– keine Fotos von mir, Treffen mit Freunden, Essen, Spaziergängen oder was weiß ich nicht allem

Die letzten Tage habe ich zwar schöne Fotos von den Erlebnissen gemacht, aber ich behalte sie einfach für mich. Warum sollte ich mich auch damit brüsten? Letztendlich sind es Erinnerungen für mich, die ich mir erschaffen habe. Nicht für andere.
Das Problem mit den Nachrichten bleibt zwar… denn leider kann man es bei Facebook nicht ausstellen, das Menschen dir schreiben können. Nicht mal mehr bei Nicht-Freunden. Aber damit muss ich mir wohl noch etwas einfallen lassen. Vielleicht werden ja gerade durch mein nichtsagendes Profilbild und die Tatsache, dass ich keine Fotos von mir mehr posten will, auch die zahlreichen Nachrichten von irgendwelchen Typen weniger.

Wir werden sehen. Schauen wir mal, wie lange ich es so durchhalte. Und ob ich es nicht doch noch schaffe, die restlichen Fotos, oder vllt doch noch das ganze Profil zu löschen.
Den Fakt ist, dass ich vorhabe in meinem Leben so einiges anzupacken und zu ändern… so wie es jetzt ist, kann es jedenfalls nicht weiter gehen. So mag ich mich und mein Leben nicht.

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Eine Antwort

  1. Ich habe mich vor über einem Jahr aus Facebook verabschiedet, wenn auch aus anderen Gründen als den von dir genannten, und ich kann dir eines versichern: Es ist so viel angenehmer, dass es sich kaum in Worte fassen lässt. Als würde man nach einem langen Tauchgang aus einer Jauchegrube an die Oberfläche, zurück ins reale Leben auftauchen.
    Es nimmt dir soviel inneren Druck. Man wird doch ohnehin schon überall mit Informationsmüll zugeschüttet. Facebook komprimiert das lediglich und verabreicht es dir kompakteren, aber auch viel oberflächlicheren Häppchen.

    Tu es. Ohne zuviel zu grübeln. Du wirst es nicht bereuen. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer.

    Gesundes Neues

    2. Januar 2016 um 01:27

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