Gedanken zum Sonntag

Die Welt ist so verdammt oberflächlich. Die meisten Menschen geben es ja nicht zu. Da heißt es „Auf den Charakter kommt es an“. Aber mal ehrlich, dass Erste, was jeder von uns tut, ist, die anderen Menschen abzuschätzen. Wir vergleichen uns mit den Personen um uns herum, suchen an ihnen Makel und Problemzonen. Wir sehen ihr Äußeres und versuchen dann anhand dieser Informationen ihren Charakter abzuschätzen.
Eigentlich kotzt mich diese Oberflächlichkeit ja an. Denn wenn man selbst nicht zu den Personen gehört, die so von sich eingenommen sind, dass sie sich vorkommen wie der hellste Stern am Abendhimmel, kommt es doch hin und wieder vor, dass diese Oberflächlichkeit ungeheuer verletztend sein kann. Findet zum Beispiel der eigene Freund eine andere Frau attraktiver, ist das wie ein Schlag in die Magengegend. Und schon macht das eigene Selbstvertrauen eine Wanderung in den Keller.

Doch ich bin da ja selbst nicht besser. Ich schaue mich um und vergleiche andere Frauen mit mir. Ich versuche besser auszusehen als sie, und wenn das nicht der Fall ist oder ich mal wieder als kleine Dicke daneben stehe, frustriert mich das unheimlich.
Und nicht nur um mein eigenes Aussehen mache ich mir so meine Gedanken.
Früher dachte ich eigentlich immer, bei Männern wäre mir das Aussehen egal. Meistens schaute ich zuerst auf ihren Charakter oder hoffte, dass die Chemie zwischen uns stimmt, und dass das die fehlenden Punkte im Aussehen ausgleichen würde. Doch mittlerweile kenne ich mich besser. Ich weiß jetzt, ich brauche einen Freund, der vom Aussehen her zu mir passt. Mit dem ich mich gern in der Öffentlichkeit zeige und an dessen Seite ich mich „passend“ fühle.

Ich hätte auch nichts dagegen, wenn mein Freund ein paar Kilo mehr auf den Rippen hätte. Aber mir ist es doch wichtig, dass ich ihn entsprechend attraktiv finde, dass das Gesamtbild passt.

Andererseits regt mich eine Sache schon eine ganze Weile unglaublich auf:
Zur Zeit entdecke ich viele Frauen, die eben etwas molliger sind. Diese teilen gern die Ansichten, dass nur der Charakter eines Menschen zähle, dass auch Frauen ohne Traumfigur einen netten Mann finden sollten und ähnliches. Und damit haben sie auch völlig recht! Ich zähle diese Frauen ja auch nicht umsonst zu meinen Freundinnen. Sie sind mir wichtig, weil sie sind, wie sie sind. Weil sie einen tollen Charakter haben. Was ich dann aber überhaupt nicht verstehe, ist, wenn ich zB. einer dieser Freundinnen einen Mann, der unglaublich nett ist, als potentiellen neuen Freund vorstelle und dann höre: „Der ist mir zu dick.“

Ich meine, wenn eine Frau zu ihren Kilos steht oder eben zu der Einstellung, dass der Charakter eines Menschen mehr wiegt, als eine Zahl auf einer Waage… dann sollte sie sich doch auch verdammt nochmal ihren Kerl nicht nach dem Aussehen aussuchen, oder? Denn was macht sie denn dann besser als all diese Männer, die nur nach langen schlanken Beinen Ausschau halten?

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3 Antworten

  1. Als ich den ersten Absatz dieses Beitrags im Club Samstag Nacht schrieb, hatte ich ein Gefühl dabei, dass ich leider nicht mehr in Worte fassen kann. Ich hätte den Beitrag da fertig schreiben sollen, als diese Gedanken noch frisch waren und mich so beschäftigt haben. Nach dem, was dann Sonntag noch hinzu kam, hat der Beitrag eine ganz andere Botschaft bekommen, als anfangs eigentlich gedacht.

    15. November 2012 um 04:14

  2. Ich stimme völlig zu.

    Wenn ich einen Partner habe, von dem ich behaupte, ich liebe ihn, mich aber gleichzeitig schäme, in der Öffentlichkeit mit ihm gesehen zu werden, selbst wenn ich das nie eingestehen würde, dann bin ich ein fürchterlicher, selbstverliebter Heuchler.

    Entweder, man steht vollends und in allen Bereichen zueinander, oder man sagt ganz frei heraus:
    „Pass auf, ich mag dich ja, du bist echt nett und witzig und klug, aber es ist mir unglaublich peinlich, mit dir hässlichem Gust gesehen zu werden. Sorry, ne?“

    Oder man hält sich einen Partner fürs öffentliche Leben und einen fürs Herz.
    … und vielleicht noch einen für den Haushalt, wenn wir schon dabei sind.

    De facto macht es aber die Mischung.
    Menschen bestehen ja nicht nur aus Geist, nicht nur aus Körper, nicht nur aus Charm.
    Es muss nicht alles gleichsam perfekt sein, aber es sollte sich zu einem perfekten Gesamtbild zusammenfügen.

    Der in allen Bereichen perfekte Partner ist ein Götzenbild. Sobald man ihn berührt, bleibt die Vergoldung an den Fingern kleben, und er bekommt Makel.

    Soviel zu meinem bescheidenen Beitrag.

    15. November 2012 um 16:13

  3. Oberflächlichkeit an sich ist schon ein weichtiger Bestandteil im Leben. Es erleichtert den Alltag, weil man viele Menschen eben nur oberflächlich kennenlernt (oder auch nur: sieht). Und hier hilft es dabei, Menschen in Schubladen zu stecken. Das klingt zwar brutal, aber ansonsten wäre der Alltag wohl kaum machbar. Wer selbst auf den offensichtlichsten Schwindler hereinfällt, wird es ähnlich schwer haben wie derjenige, der hinter jedem noch so sympathischen Menschen ein ausnutzendes Monster befürchtet.

    Wichtig ist dabei jedoch, dass man sich dieser Tatsache bewusst ist, und den Menschen, mit denen man mehr zu tun hast, auch Chancen gibt, aus diesen Schubladen wieder herauszukommen und sie unvoreingenommen kennenzulernen. Soviel dazu 🙂

    Geht die Oberflächlichkeit so weit ins Private wie du es hier in dem Beitrag beschreibst, muss man sich nicht nur dessen bewusst sein, sondern auch der Konsequenzen. Und dies dem Partner mitteilen, auch wenn es hart ist. Aber jeder setzt andere Prioritäten an den Partner und das kann derjenige natürlich wieder ganz anders sehen.

    Und der zuletzt angesprochene Widerspruch geht gar nicht, klar. Wer etwas nicht so lebt, wie er selber eigentlich tickt, der tickt nicht ganz richtig 😉

    @ Herr Fe:
    Da gabs doch mal ein schönes Lied (12 Jahre ist das schon wieder her, krass):

    24. November 2012 um 14:55

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