SNACK(s) Geschichte – Über traurige Enden

Schoko ging durch die Straßen. Es dämmerte langsam, und er wollte nach Hause unter die warme Dusche und sich danach eine schöne Tasse Tee kochen. Obwohl es ihn in letzter Zeit auch ein wenig zurückschreckte, wenn er an die WG dachte, die er sein Zuhause nannte. Schon seit längerer Zeit hing der Haussegen schief und es war einfach nicht mehr das gleiche Gefühl, wie damals. Als er am Park vorbei kam, entdeckte er ein bekanntes Gesicht in der Mitte des Spielplatzes. Schweigend ging er auf eine der leeren Schaukeln zu, setzte sich neben das – heute rothaarige – Mädchen und scharrte mit seinem Fuß im Sand. Nach einigen Minuten der Stille sagte er: „Na, hat es dich mal wieder in die Gegend verschlagen?“
Chrissy blickte von ihren Füßen auf und schaute ihren ehemaligen Mitbewohner in die Augen. „Ja… ich habe seit langem mal wieder einige Zeit für mich und wollte mich an einen Ort begeben, an dem ich in Ruhe nachdenken kann.“ Schoko wurde verlegen und deutete Chrissys Worte als dezente Aufforderung, sie allein zu lassen. „Also wenn du ungestört sein möchtest, werde ich dich mal lieber in Ruhe nachdenken lassen und …“ – Chrissy unterbrach ihn. „Nein nein, so hab ich das nicht gemeint! Schon okay. Bleib bitte eine Weile hier bei mir. Wir haben uns lange nicht mehr unterhalten! Wie geht es dir?“ Er ließ die Schultern sinken, die er wohl – unbewusst – angespannt hatte, und überblickte den Spielplatz, während er zu erzählen begann. „Soweit ganz gut. Es muss halt, weißt du ja.“ Chrissy nickte. „Und den anderen? Was ist so los in der WG?“ Wieder scharrte Schoko mit dem Fuß im Sand. Als könnte er die Antwort dort unten ablesen. „Naja… Seit du mit Ach und Krach abgehauen bist, hat sich einiges geändert. Irgendwie ist alles… angespannter geworden. Es kümmert sich jeder um sich. Natürlich sitzen wir noch gelegentlich zusammen. Doch die Atmosphäre ist deutlich gedrückter. Der Wirbelwind fehlt.“ Sagte er, und schaute dabei wieder auf. Chrissy musste lächeln, doch es war ein gequältes.
„Ja… aber es musste sein. >Manchmal muss man loslassen, um sich selbst zu finden.<, heißt es doch. Ich musste weg, weil ich mit mir selbst nicht mehr im Reinen war und meine eigenen kleinen Kämpfe auszufechten hatte. Und einen Großen, aber das weißt du ja sicher noch.“ Sie wollte nicht weiter auf die Geschichte von damals eingehen. „Ja. Wir reden eigentlich kaum über das, was war. Es ist, als wäre uns allen das Thema zu müßig. Koi ist sowieso voll und ganz mit ihrem Studium beschäftigt. Ihre freie Zeit verbringt sie so viel wie möglich mit Nunu, wenn diese nicht gerade mit Herrn Brot unterwegs ist. Aya hat einen neuen Job und ist meistens ebenfalls unterwegs. Wenn nicht, sitzt sie oben in ihrem Zimmer. Kommt das Thema zur Sprache oder gibt es Streit, so murrt sie immer nur vor sich her, dass sie eh nie wollte, dass wir uns alle bei ihr breit machen.“ Bei dieser Bemerkung mussten beide lachen. „Nunu hat ihren Herrn Brot also noch? Das freut mich sehr! Und ich habe gehört, auch du hast eine nette neue Bekanntschaft?“ Daraufhin wurde Schoko leicht rot und blickte verlegen zur Seite. „Ja… Ich habe jemanden kennen gelernt. Und es läuft bisher soweit ganz gut.“ – „Das freut mich.“ Sagte Chrissy wieder. Beide verfielen wieder ins Schweigen.

Mittlerweile war es dunkel und Wolken zogen am Himmel entlang. Chrissy schaute hinauf und zählte die wenigen Sterne, die heute zu sehen waren. Dann seufzte sie.
„Du kommst viel rum in letzter Zeit, nicht wahr?“ fragte Schoko, der sie nun von der Seite beobachtete. Sie nickte, ohne den Blick vom Himmel abzuwenden. „Ja… ich bin mal hier mal dort. Ich versuche ausgehen, umherreisen und Arbeit unter einen Hut zu bringen. Das ist oft gar nicht so leicht und manchmal habe ich das Gefühl, die Zeit rennt und rennt und ich komme einfach nicht mehr mit. Manchmal fehlt mir die Zeit von damals. Und es tut mir Leid, dass sich alles so entwickelt hat. Aber obwohl ich ein Zuhause verloren habe, bin ich mit meinem Leben gerade sehr glücklich.“
Darüber dachte Schoko eine Weile nach. Dann sagte er: „Ja… Schade, dass es so gekommen ist. Irgendwie ist dieses Ende traurig. Aber es ist wie es ist.“ Da wandte sich Chrissy wieder zu Schoko und nun schimmerten ihre Augen. „Ja… da hast du Recht.“ sagte sie, und ergänzte: „Und es hätte trauriger ausgehen können. Hast du mal das Ende von Winnie Pooh gesehen?“ – „Nein…?“ meinte Schoko verwirrt. Und so gingen beide nach Hause und schauten sich Winnie the Pooh an.

Youtube: http://youtu.be/zoWxQIgvKnc?t=3m12s  * ab 3.12 min

Youtube: http://www.youtube.com/watch?v=ir4Zm5KVe7Q * Englisch

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2 Antworten

  1. Wow…das ist echt schööööön geschrieben!! *__* …und traurig… :‘ / …aber schöööööööööön geschrieben! ^^‘

    23. September 2012 um 19:26

  2. *gänsehaut* Und das nicht nur beim Ende der Pu-Geschichte 😦

    Aber Pu ist ja mal klein :mrgreen:

    23. September 2012 um 20:27

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